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03.11.2010, 09:08 Uhr
Leserbrief
Was wollen die Grünen eigentlich?
Was wollen die Grünen eigentlich?
Zugegeben: Als CDU-Mitglied ärgere ich mich natürlich darüber, dass sich die überaus positive Entwicklung der Wirtschaft in der BRD nicht auch positiv auf die Umfrageergebnisse der CDU als größter Regierungspartei auswirkt und alle wirklich nennenswerten Erfolge der Regierung im In- und Ausland von weiten Kreisen unserer Bevölkerung kaum zur Kenntnis genommen und noch weniger anerkannt werden. Über die Ursachen für die mehr als schlechte Wahrnehmung der Regierungsleistungen in der Öffentlichkeit will ich mich hier nicht auslassen.
Verstehen kann ich, dass die SPD davon nicht profitiert und in der öffentlichen Meinung auch nicht besser dasteht, weil sie auf keinem Feld bessere Alternativen zur Regierungspolitik aufzeigen kann. Auch ihr Vorsitzender betätigt sich schließlich allzu offensichtlich je nach aktueller politischer Windrichtung immer wieder als Opportunist, ohne dabei Rücksicht zu nehmen auf die politischen Aussagen und Handlungen seiner Partei aus der Zeit, als diese vor wenigen Jahren noch mitregiert hat .
Absolut nicht verstehen kann ich allerdings, dass und warum die Grünen in dem bekannten Ausmaß von den Schwächen der größeren Volksparteien profitieren, weil für mich absolut nicht zu erkennen ist, wofür die Grünen tatsächlich stehen.
So fordern die Grünen eine stärkere Verlagerung des Personen- und Güterverkehres auf die Schiene, um den CO2-Ausstoß zu vermindern, sind aber dagegen, dass die DB ihr Angebot für diesen Verkehr verbessert und attraktiver gestaltet, abzulesen an ihren Erklärungen zu und Demonstrationen gegen Stuttgart 21. Sie fordern die Verlagerung des Verkehrs von überlasteten Autobahnen auf die Schienen, was sicher sinnvoll wäre alleine wegen des erhöhten Ausstoßes von CO 2 bei Staus, aber auch wegen der durch Staus verursachten Milliardenverluste der Wirtschaft, ist aber praktisch überall dagegen, wo die Bundesbahn durch zusätzliche Trassen dafür die Voraussetzungen schaffen will. Die Angst vor großen gesteuerten Bürgerprotesten und Krawallen hat die DB an einigen Stellen schon veranlasst, auf wirtschaftliche, aber am Ende auch ökologisch sinnvolle Ausbauplanungen zu verzichten.
Die Grünen fordern den stärkeren Ausbau der Windenergie an der Küste und auf See, was sicher sinnvoll ist, sie kündigen aber schon jetzt ihren scharfen Widerstand für den Fall an, wenn wegen der Stromleitungen, mit dem der Strom über größere Entfernungen in die großen Wirtschaftszentren geleitet werden muss, die dafür vorgesehenen Trassen - auch für die Leitungen unter der Erde – freigemacht werden müssen von Bäumen und Sträuchern, um die entsprechende Sicherheit für die Stromleitungen herzustellen.
Die Grünen verhindern den Ersatz der alten Kohlekraftwerke mit sehr hohem CO2-Ausstoß durch moderne Kohlekraftwerke, die den CO2-Ausstoß auf ein Minimum reduzieren können.
Sie wettern gegen die Verlängerung auch der moderneren deutschen Atomkraftwerke, fordern aber auf europäischer Ebene so gut wie gar nicht eine höhere Sicherheit der alten Atomkraftwerke in den anderen Ländern, insbesondere auch nicht für die französischen direkt an der Grenze zu Deutschland, von denen wir dann den Strom beziehen müssten, wenn unsere moderneren abgeschaltet werden.
Die Grünen fordern eine Stromversorgung ausschließlich aus regenerativen Quellen, insbesondere aus der Windenergie – das ist gut so. Sie tun aber so, als ob das schon heute möglich wäre und es nicht noch wenigsten 40 bis 50 Jahre braucht, bis wir das leisten können. Die Grünen fordern grundsätzlich das Richtige, überlassen aber die notwendigen, aber unpopulären Entscheidungen bis dahin lieber den anderen Parteien.
Die Grünen vertreten eine Politik nach dem Motto:“ Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass“. So kann es eigentlich nicht gehen, und ich gebe zu, dass mich schon sehr ärgert, dass viele Bürger das offensichtlich nicht zu merken scheinen, den Grünen für ihre oftmals grundsätzlich richtigen Ziele Anerkennung zollen, die anderen Parteien aber in den gleichen Zusammenhängen für notwendige, aber unpopuläre und manchmal auch schmerzhafte Entscheidungen abstrafen.
Mit freundlichen Grüßen Ihr
Hilko Gerdes